Können Roboter recherchieren ?

Ab wann wird der Journalismus zum Opfer der Automatisierung ? Oder müssen wir bei Interview-Anfragen bald einen Capchta gegen RoboReporter haben ? Folgend eine offene Story deren gesetzliche Regelungen bald besprochen werden sollten, was nun Recherche ist und was Eingriff eines automatisierten Börsendienstes sein könnte.

Es ist so liebe Leser, dass landein, landaus die Meinung gilt, nur augenscheinlich Berufe einfacher körperlicher Tätigkeiten würden bald dem „Roboterismus“ anheimfallen. Ein Teil der technisch versierten Schreiber sehen sich eher einem Handwerker gleichgesetzt, sozusagen einem Wortwerker, und somit auch der Gefahr des „ausgetauscht werdens“ in berufsmässigem Sinne, ausgesetzt. Angenommen folgend skizzierte Arbeitsschritte werden durch anfänglich Mensch-Maschine-Schnittstellen (zum Anlernen der Systeme) ersetzt und im Endstadium vollständig automatisiert ablaufen. Diese Arbeitsfolge sollte der interessierte Leser immer unter dem Aspekt des Aufwands, oder der „Man/Womanpower“ zum jeweiligen Arbeitschritt sehen. In unserem Beispiel muss sich nun eine auf den ersten Blick nicht aufmerksamkeitversprechende News-Maschine einem oberflächlichen, prüfenden Blick gefallen lassen. Wir ziehen hier die im Jahre 2018 durch den Rechnungshof Baden-Württemberg veröffentlichte „Denkschrift 2018“ aus dem zufällig ausgewählten Köcher. Oder genauer gesagt aus den öffentlich zugänglichen Textsammlungen, die in den gängigen Speicherformaten abgelegt sind (.html .txt .pdf .epub). Nun nehmen wir ein Programm, welches nach besonderen Worten in Bergen von Text sucht, und legt dem entsprechenden Redakteur in unserem Falle die Seite 68 der Denkschrift vor. Wie abgebildet zu sehen und nicht schwer zu erraten waren u.A. die Suchwörter mit „Aktiva“ und/oder „Passiva“ und/oder „Verbindlichkeiten“ und schliesslich jedes Wort mit „Land- oder Bund-“ definiert. Es wird ein Bild oder ähnliche Anhäufung von Zeichen, die wie ein Bild aussehen könnten, direkt als Screenthumb oder Ausschnitt mitvorgelegt. Text der sehr auffällig markiert wurde:
„Stellt man die Passiva den Aktiva gegenüber, bleibt ein negativer Saldo von 158,7 Mrd. Euro. Dieser ist insbesondere in den vorgenannten Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen begründet.“

Der PC hat bisher keine Ahnung was er uns damit vorlegte, jedoch dann, wenn die Programme unsere daraus resultierende, manuelle Arbeitsschritte aufzeichnen, abstrahieren und auf den nächsten, ähnlich gelagerten Fall anwenden. Folgendes Bild wird dem Redakteur nun für den ausgerufenen Fall per Bildschirmausschnitt ausgespielt:

Quelle: Denkschrift 2018 des Landesrechnungshofs Baden-Württemberg

Im Bild kann man sehen, dass ein Ungleichgewicht in der Bilanz vorherrscht, also sehen wir wie mit dem Finger direkt in die Wunde gepiekst, dass Grundstücke und das „goldene Tafelservice“ des Landes direkt den Verbindlichkeiten des Landes den sehr gut alimentierten Pensionären gegenübergestellt wurde (die Brisanz wird verschärft durch die Stichworte Altersarmut, Zweiklassengesellschaft, Politiker, Pensionär). Man kann aber auch sagen, dass die Pensionäre, auch die von Morgen, also dieselben Personen, die diese Regelungen durchgeführt haben, sich selbst ein Pfand eingerichtet haben. Wir kommen aber vom Thema ab, das war nochmals die Frage, ab wann diese Recherche hätte ein Robo oder Bot-Journalist machen können. Bis jetzt, ohne Probleme, wenn er dich richtige „Aufgabenstellung“ eingetrichtet bekommen hätte. Alleine die Vervielfältigung von News-Quellen ist hier zu beachten. Das war der erste Schritt, den die Roboter noch nicht geschafft haben, zu entscheiden, wieso es politische Brisanz birgt, dass die Worte Pensionen und auf derselben Seite Verbindlichkeit und Aktiva und Grundstücke für Menschen einfach „lesenswert“ erscheinen. Aber man kann die Algorhythmen jedoch weiter verfeinern. Der zweite sehr anspruchsvolle Schritt ist, nach dieser Verknüpfung, also der „politischen Brisanz“, den Worten, den Zahlen nach eine Konklusion zu erzeugen, die möglicherweise folgende Frage, automatisch dem entsprechenden Interviewpartner per Email versendet, formulieren kann:

Auszug Anschreiben per Mail an die Pressestelle des Rechnugshofs BW

Danach wartet das Email Programm ab, führt automatisiert die Antwort dem entsprechenden Fall zu und speichert die erhaltenen Informationen ab, in unserem Falle führt sie das Skript zu Wiedervorlage an den Redakteur aus. Alles mit Hilfsmitteln, die für große Redaktionen unbezahlbar oder gar nicht vorstellbar sind. Der Journalismus wird sich zum Guten wenden. Da dieser Artikel nicht in der Zeitung abgedruckt ist, kann es auch passieren, dass es eine Weile dauert bis der Beitrag fortgesetzt wird, in diesem Falle, sobald die Antwort E-Mail aus dem Rechungshof ankam. Wenn diese Arbeitsschritte vollständig automatisiert abliefen, wären wir schon auf dem besten Weg in den Automatisierten Journalismus mit angebundenen Börseninformationssystemen. Oder ein guter Börsendienst generiert einfach so viele Tickernews, dass „es“ sich seine eigene Umwelt erschaffen kann. Eines jedoch, und das beruhigt uns ein wenig, das hätte der Robo-Redakteur nicht gesehen, ein politisch Interessierter, Einer oder Eine, die den ganzen „Schinken“ durchlesen, diese Leute kommen noch auf folgende Zeilen, die wieder eine Schlagzeile extra wert sind, in der gleichen Denkschrift auf Seite 208 zu lesen:

„Der Rechnungshof hat ermittelt, dass von 2003 bis 2016 insgesamt 75 Mio. Euro für Produktionsförderungen an Filmprojekte gingen… Im untersuchten Zeitraum gingen insgesamt 42,9 Mio. Euro Produktionsfördermittel an Filmprojekte, an denen der SWR (gegebenenfalls zusammen mit anderen Sendern) beteiligt war. Dies entspricht 41 Prozent der insgesamt in diesem Zeitraum ausgereichten Fördermittel. Filmprojekte, an denen der SWR als einziger Sender beteiligt war, erhielten 30,8 Mio. Euro. Dies entspricht 30 Prozent der in diesem Zeitraum insgesamt ausgereichten Fördermittel.“ Auszug Ende.

Wir überlegen immer noch, wie man den Robo-Journalisten beibringen kann, dass dieser Satz extrem brisant ist, denn bekanntlich, so muss der Robo wissen, ist der SWR aus dem schönen Bundesland Baden-Württemberg. Der Innenminister hier heisst zur Zeit Thomas Strobl. Er ist verheiratet mit der Tochter von Herrn Bundestagspräsidenten Dr. Wolfgang Schäuble aus dem badischen Gengenbach, und nun kommts: Die Frau von Herrn Landesinnenminister, Frau Christine Strobl, ist die Geschäftsführerin der DEGETO Film GmbH, gehört zu 100 % der ARD/SWR, kann man im Impressum nachlesen. Und ganz dick rot unterstreichen sollte es die KI, wenn sie sich bewusst macht, dass alle Beteiligten direkt aus der Schaltzentrale der CDU ihre politische Wurzeln haben.

Auch hier wird die Story fortgesetzt, wir fragen mal an, wie dieser Zusammenhang von der Geschäftsführung von DEGETO gesehen wird.

Und bitte, immer das Totschlagargument des Öffentlich-Rechtlichen-Bashings, machen wir nicht, wir möchten nur, dass „sie“ starken Journalismus machen und deswegen sind wir dran interessiert, dass alle angreifbaren Punkte „abgeschaltet“ werden.

Falls Sie das Original und die Quelle zu diesem Bericht lesen möchten, bitte nutzen Sie diesen Link, der Sie zum Landesrechnungshof BW führt.

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