Gregor Gysi in Bruchsal im Gespräch.

Quelle: BNN – Gregor Gysi und Christoph Schnaudigel auf der Bühne

Wir waren anlässlich des 25. Jahrestags des deutsch-israelischen Freundeskreises in Bruchsal und sprachen mit dem Festredner Dr. Gregor Gysi über das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel, die Haltung der LINKEN zum Land Israel, welche lange Zeit und bis heute nicht frei von Zwischenrufen und Uneinheitlichkeit ist.

Es war eines dieser Treffen, die sich Reporter:innen vom BADENMAGAZIN nicht entgehen lassen konnten, nicht nur weil Gregor Gysi einer der profiliertesten Sprecher des Dt. Bundestags war, sondern weil seine Stimme – trotz Rückzugs von Parteiämtern – noch immer laut und deutlich in der Medienlandschaft zu vernehmen ist. Jeder TV-Sender würde Herrn Gysi als Interviewpartner einem aktuellen Vertreter von Parteien jeglicher Farbgebung vorziehen, das liegt nicht nur an verständlichen Inhalten seiner Rede, sondern an seiner hohen Authentizität, die ihm auf Leib und Mimik geschneidert scheinen.

Es sind viele Besucher in das Bruchsaler Gemeindezentrum gekommen, kein Platz ist frei geblieben, die Stimmung war leicht und alle im Vorraum des Veranstaltungsorts führten in kleinen Gruppen Smalltalk. Dann kam der Star des Abends, eine Art Superstar der politischen Key-Note-Speakers für jegliche Zuhörerschaft. Da tut es der Neugier der eher christlich-unionistisch geprägten Bruchsaler Honoratioren:innen keinen Abbruch, dass der ehemalige Präsident der Europäischen Linken zu Besuch kommt, sofort wird er noch vor einem Drink von verschiedenen Gruppen in Beschlag genommen. Es war ein regelrechtes Vorbeidefilieren, es wollten viele ein paar Worte mit dem Stargast wechseln, ein Bildchen mit dem Mobiltelefon machen, fürs „Whatsapp zum Zeigen“. Selbstverständlich waren auch der Landrat Dr. Christoph Schnaudigel und die parteilose Oberbürgermeisterin der Stadt Cornelia Petzold-Schick unter den Ersten, die zur Begrüßung bereit standen. Dann ging es schnell, kurz das Glas geleert und alle Anwesenden flossen in den großen, hübsch hergerichteten Großen Saal des Bürgerzentrums ab. Bevor der Festredner begann, mussten die lokalen Vertreter noch ihre Haltung zum Stand der Dinge der deutsch-israelischen Beziehungen kundtun, alle hörten brav zu, warteten aber nur auf einen speziellen Vortragspunkt auf der Liste der edel gestalteten Einladung zu diesem Abend.

Zwei Dinge an diesem Abend seien noch vorweggenommen, die nur einem lasterhaften Raucher-Redakteur auffallen konnten, weil das Wetter nicht sonderlich gut war und die Mehrheit klüger wird und einfach nicht mehr zum draussen Rauchen „gezwungen“ ist. Das erste war nur nebensächlich aber gut zu wissen. Der Landrat wurde durch Fahrer mit edelstem Oberklasse-Audi direkt zum Hintereingang gefahren, erst dachte der rauchende Beobachter, dass da ein nicht angekündigter Besuch eines Ministerpräsidenten oder Landesministers stattfindet, aber die haben ja alle ja S-Klasse mit S-Kennzeichen. Der Auftritt war herrschaftlich, zu stark um das vor den Augen der Versammlung zu machen, die Insignien der Macht rufen heutzutage bei manchen Steuerzahlern Befremden hervor, nur wegen der Üppigkeit, zur vollen Austattung hätte noch die Panzerung und der Personenschutz gefehlt. Dieser war dennoch anwesend, eher im Hintergrund und man weis ja nie ob was passieren kann. Die zweite interessante Begegnung war kurz vor Ende der Veranstaltung, schon wieder rauchend suchte eine abseits stehende Person zum Redakteur Kontakt, er rauchte nicht sondern war im Begriff vor den Anderen die Veranstaltung zu verlassen. Natürlich wird da ein wenig die Neugier gekitzelt, „wieso denn so früh gehen, hat es Ihnen denn nicht gefallen“-Gedanken blitzten kurz durch die Hirnrinden. Also stellt sich der Redakteur dem korpulenten Mittsechziger als interessierter Student vor, sich erkundigend wie die Veranstaltung beim Gesprächspartner ankam. Mit runzelnder Stirn ergab das Ergebnis Unzufriedenheit mit den Inhalten, und so wurde Redakteurs Neugier auf den Hintergrund des Beschwerdeführers gelenkt, und der hat es in sich. Er erzählte, dass er sehr lange im Gemeinderat in Bruchsal saß, man höre und staune für die NPD. Ob es so war oder nicht, es ist streng interessant, welche „Interessengruppen“ solche Veranstaltungen besuchen und die Informationen in welche Richtungen tragen. Mit diesen beiden Impressionen begab sich der Magazinschreiber wieder ins Innere der Veranstaltung, hoffend keine Rauchbeweise durch Geruch mit zum Interview zu tragen.

Hier machen wir direkt eine Abkürzung zum exclusiven Interview mit Gregor Gysi. Wer nicht dort war, und gerne nachgelesen hätte, was der Hauptredner im Saal sprach, kann es hier verkürzt aus den Badischen Neuesten Nachrichten aus Karlsruhe nachblättern.

Herr Gysi, gerade im Vortrag ging es um die Einstellung der LINKEN gegenüber dem Land Israel, diese Haltung konnte man ja auch am demonstrativen Schweigen zum 70. Jahrestag der Gründung Israels lesen, alle anderen Parteien haben sich dazu geäussert. Was könnte man denn bei den LINKEN in der Grundhaltung diesbezüglich ändern, dass solch eine Gratulation beispielsweise einfach freiwillig kommt ?

Dr. Gregor Gysi im Gespräch mit dem BADENMAGAZIN

Man hat aus Ihrem Vortrag eine profunde Kenntnis über die Thematik heraushören können. Wie könnte sich das deutsch-israelische Verhältnis ändern, wenn Parteien wie die AFD mehr Einfluss im Bundestag erlangen sollten ?

Manche sagen ja die Rechten werden überschätzt, es herrsche eine Stimmung, die mit Aufgeben gleichzusetzen sei, macht diese Haltung der Wähler die AFD und ihre politischen Schwestern-parteien auch so stark in Deutschland ?

Sie haben gerade im Gespräch und auch im Vortrag den US-Präsidenten Donald Trump angesprochen. Meine Frage betrifft den Nahost-Friedensprozess. Dieser wird federführund von Jared Kushner geleitet, dem Schwiegersohn des Präsidenten. Ist der Prozess bereits gescheitert ?

Als abschliessende Frage etwas aus einem anderen Thema. Die neue Kommissions-Präsidentin Urlsula Von-der-Leyen ist wenige Monate im Amt, wie ist das bei Ihnen angekommen, hat sie ihre ersten 100 Tage im Amt gemeistert ? Haben Sie konkrete Forderungen an die Kommissionspräsidentin ?

Das BADENMAGAZIN bedankt sich für das Gespräch.

Ein Artikel der BNN über den Abend des Vortrags.